
Fanny
Hill
Die
Geschichte eines Freudenmädchens
in 2 Briefen an eine Freundin.
Im
Jahre
1906 wurde das Buch erstmals in
Deutschland veröffentlicht. Zahlreiche weitere Ausgaben
folgten, die jedoch
alle auf den Index kamen und als unzüchtig beschlagnahmt
wurden. Die
Indizierung wurde noch 1968 von einem Münchener Gericht
bestätigt. Erst am 23.
Juli 1969 entschied der Bundesgerichtshof in
Karlsruhe, »dass Fanny Hill
zwar ein Werk der erotischen Literatur, aber keine unzüchtige
Schrift sei«. Seitdem
darf das Werk in Deutschland frei verkauft werden.
In den
USA
kam es zu heimlichen
Veröffentlichungen, jedoch wurde Fanny Hill
1821 wegen Obszönität
verboten. Erst 1966 hob der Oberster Gerichtshof der Vereinigten
Staaten dieses
Verbot wieder auf.
In
Australien dagegen darf das Buch bis heute
nicht verkauft werden.
Cleland
schrieb das Buch im Londoner
Schuldnergefängnis. Nach seiner Veröffentlichung
brach ein breiter öffentlicher
Aufruhr los, die anglikanische Kirche forderte »die
weitere Verbreitung
dieses abscheulichen Buches zu beenden, das eine offene Beleidigung der
Religion und guten Sitten darstellt« (to
stop the progress of this vile
Book, which is an open insult upon Religion and good manners).
Das Buch
wurde verboten und Cleland, mittlerweile aus dem
Schuldnergefängnis entlassen,
daraufhin wieder unter Arrest gestellt.
Es
kam auch zu heimlichen Veröffentlichungen in den
USA, jedoch wurde Fanny Hill 1821 wegen
Obszönität verboten. Erst 1966
hob der Oberster Gerichtshof der Vereinigten Staaten dieses Verbot
wieder auf.
In Australien dagegen darf das Buch bis heute nicht verkauft werden.
Handlung
Der
Roman besteht aus zwei langen Briefen, in denen
Fanny Hill, nun glückliche Ehefrau eines geliebten Gatten,
einer Freundin
rückblickend ihren Lebensweg schildert. Sie hebt dabei immer
wieder hervor,
dass sie alle erotischen Erlebnisse und Leiden nicht zur Erregung,
sondern zum
Lob der Tugend schildere, da nur eine Heirat aus Liebe Glück
sowie wirkliche
körperliche und geistige Erfüllung bedeute.
Fanny
schildert, wie sie als Waisenkind mit fünfzehn
Jahren nach London kommt, wo sie von einer Kupplerin aufgenommen wird,
die
Fanny zur Prostituierten machen will. Fanny wird allerdings von dem
jungen Gentleman
Charles aus dem Bordell gerettet und mit der wirklichen –
körperlichen und
seelischen – Liebe bekannt gemacht. Als Charles jedoch von
seinem Vater in
Geschäftsdingen nach Übersee entsandt wird, steht
Fanny wieder alleine da und
wird nun tatsächlich zur Prostituierten, um zu
überleben. Vorübergehend kommt
sie als Mätresse eines reichen Mannes unter, wird von diesem
jedoch
davongejagt, als er sie dabei ertappt, wie sie ihn mit seinem
Laufburschen
betrügt. Längere Zeit kommt sie im Etablissement
einer Mrs. Cole unter, die ein
als Putzmacherladen getarntes Edelbordell betreibt. Obwohl Fanny hier
beträchtliche erotische Künste entwickelt, auf diese
Weise zahlreiche,
besonders ältere Kunden erfreut und auch selbst durchaus an
ihrer Arbeit
Gefallen findet, vergisst sie nie ihren geliebten Charles. Endlich
hinterlässt
ihr ein älterer Kunde und Junggeselle sein
beträchtliches Vermögen sowie die
Einsicht, dass geistige Genüsse noch höher
einzustufen seien als körperliche.
Nach Charles' Rückkehr heiratet er Fanny und sie kann das
Bordell verlassen.
Stil
Stilistisch
gelingt es Cleland, die Schwülstigkeit
vieler späterer erotischer Romane durch eleganten Stil,
treffende
Ausdrucksweise und Anspielungen auf Bildungsgut zu vermeiden; dies
passt
allerdings nicht ganz zur angeblichen Verfasserschaft der eher
ungebildeten
Fanny Hill. Auch inhaltlich wird die Fiktion nicht durchgehalten: die
erotischen Szenen werden deutlich aus männlicher Perspektive
geschildert, indem
eine starke Betonung auf den ‚weiblichen Reizen‘
liegt, während die männlichen
Protagonisten weithin blass bleiben. Wo sie doch geschildert werden,
wird meist
lediglich ihre enorme Manneskraft betont, was ebenfalls eher zum
klassischen
penisfixierten maskulinen Selbstbild passt als zu einer authentischen
weiblichen
Sicht der Erotik.
Literaturgeschichtliche
Einordnung
Die
moralisierende Rahmenhandlung, aber auch die
abwechslungsreiche Erzählweise und ein gewisser Humor bewahren
den Roman davor,
in bloße Pornographie abzurutschen. Cleland betont immer
wieder, dass echte
Erotik auch der geistigen Liebe bedarf. Nur dadurch entsteht seiner
Meinung
nach das vollkommene Glück. Dieses Weltbild passt in das
philosophische
Selbstverständnis der Aufklärung, welches die
größtmögliche Glückseligkeit der
Menschen als Ideal sah.
Illustrationen
und Verfilmungen
Illustrationen
zu Fanny Hill
schuf der französische Illustrator Édouard-Henri
Avril, dessen hocherotische
Bilder ebenfalls im Ebook enthalten sind.
Das
berühmt-berüchtigte Buch wurde auch vielfach
verfilmt. Einige der bekanntesten Adaptionen sind:
- Fanny
Hill
(USA/Deutschland 1964), mit Letícia Román, Miriam
Hopkins, Ulli Lommel
und Chris Howland; Regie: Russ Meyer, Albert Zugsmith (ungenannt)
- Fanny
Hill
(Schweden 1968), mit Diana Kjær, Hans Ernback, Keve Hjelm und
Oscar Ljung; Regie: Mac Ahlberg
- Fanny
Hill
(Deutschland/Großbritannien 1983), mit Lisa Foster, Oliver
Reed, Wilfrid Hyde-White und Shelley Winters; Regie: Gerry
O’Hara
- Paprika
– Ein Leben für die Liebe
(Italien 1991), mit Deborah Caprioglio, Stéphane Bonnet,
Stéphane Ferrara, Luigi Laezza, Rossana Gavinel, Martine
Brochard und John Steiner; Regie: Tinto Brass
- Fanny
Hill
(USA 1995), Regie: Valentine Palmer
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